Kinder in die Schule!

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie 2020 kam es in Deutschland immer wieder zu teilweise lang anhaltenden Schulschließungen. Die Eltern schulpflichtiger Kinder beobachten seit vielen Monaten die negativen Auswirkungen des so genannten „Distanzunterrichts“ auf ihre Kinder. Nach Einschätzung von Expert*innen ist es dadurch zu dramatischen Kollateralschäden für Kinder und ihre Familien gekommen. Besonders schwer sind Kinder aus sozial benachteiligten Familien betroffen. Zwar wurde immer wieder betont, dass Kinder keine „Pandemietreiber“ seien. Dennoch scheint die Einschätzung, dass besonders von Kindern eine große Gefahr ausgehe, weiterhin sehr präsent zu sein. Dies führte immer wieder zur reflexartigen Forderung, sofort alle Schulen zu schließen. Viele Eltern sind verärgert über diese Politik, viele haben aber auch Ängste, dass ihre Kinder schwer erkranken könnten. Diese Seite stellt den Versuch dar, Fakten zu bündeln und auf entsprechende Quellen zu verweisen.


Presseerklärung: „Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche in den Blick nehmen“ (Baye­rische Staats­mi­nis­terium für Gesundheit und Pflege, 16.6.2021)
Kernaussage(n): Bayerns Gesundheitsminister und Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) Holetschek: „Wir müssen langfristige Pandemie-Folgen für Kinder und Jugendliche besser erkennen und bekämpfen. Dazu brauchen wir einen Schulterschluss von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.“ Aus dem Beschluss: „Die GMK bittet den Bundestag, eine Enquete-Kommission ‚Kindergesundheit in Pandemiezeiten‘ einzurichten, die sich mit den schädlichen Folgen der Corona-Pandemie für die physische und psychische Gesundheit von Kindern undJugendlichen auseinandersetzt.


Schulen sollen nach den Sommerferien wieder regulär öffnen (DIE ZEIT, 10.6.2021)
Kernaussage(n): Die Die Kultusminister der Länder haben vereinbart, dass im neuen Schuljahr der Unterricht in Deutschland wieder „dauerhaft im Regelbetrieb“ stattfinden soll. „Regelbetrieb bedeute, dass Unterricht in der Schule ohne weitere Einschränkungen erteilt und das schulische Leben wieder ermöglicht werde.“ „Test- und Maskenpflicht könnten dann aber auch weiterhin nötig sein.“


Streit, Ungeduld und Unsicherheit: Studie bestätigt massive familiäre Belastung durch Homeschooling (idw, 1.6.2021)
Kernaussage(n): Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Bielefeld wurden 517 Eltern von Kindern der 1. bis 13. Jahrgangsstufe befragt. „Erwerbstätigkeit und Homeschooling sind für viele Eltern kaum miteinander zu vereinbaren und damit nehmen ihre Zufriedenheit und das allgemeine Wohlbefinden ab. […] Mehr als die Hälfte der Kinder in der ersten bis vierten Klasse müssen regelmäßig von ihren Eltern motiviert werden. Dies wird von einem Großteil der Eltern als sehr herausfordernd empfunden“.


SARS-CoV-2 und die Schulen – Was sagen die Daten? (Hessisches Ärzteblatt, 6/2021)
Kernaussage(n): Auch die Statistiken aus Hessen bestätigen, dass Infektionen „nicht zwingend im Schulbetrieb, sondern eher im privaten, familiären oder Freizeitbereich erworben wurden. Schulen sind weder ‚Hotspots‘ noch besondere Risikobereiche“.


Das aktuelle Ausbruchs- und Infektionsgeschehen in Schulen und an Arbeitsplätzen (aus dem CODAG Bericht Nr. 16, 28.5.2021)
Kernaussage(n): Das Institut für Statistik der LMU München hat erneut die Fallzahlen an bayerischen Schulen untersucht: „Die Fallzahlen aus Ausbrüchen in Schulen sind weiterhin unbedeutend gering. […] Die Zahlen spiegeln erneut die untergeordnete Rolle der Schule am Infektionsgeschehen wider. Diese Ergebnisse können in der aktuellen Diskussion um Impfungen für Schulkinder zur Vermeidung von Infektionen an Schulen helfen und zur Versachlichung beitragen.“


„Das goldene Lernalter lässt sich nicht verschieben“ (F.A.Z., 26.5.2021)
Kernaussage(n): Kerstin Holze, Kinderärztin und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderturn-Stiftung, warnt davor, dass Bewegungsmangel die gesunde körperliche und geistige Entwicklung gefährdet: „Kindheit findet jetzt statt. Sie ist nichts, was wir am Ende der Pandemie nachholen können. Es ist unsere Pflicht, die Rahmenbedingungen für ein bewegtes Aufwachsen zu schaffen.“


„Die Zahl der Selbstverletzungen steigt“ (F.A.Z., 20.5.2021)
Kernaussage(n): Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Huss berichtet über die Folgen der Corona-Politik. Entscheidend ist die Begegnung unter Gleichaltrigen, viele Defizite liegen im sozialen Bereich und lassen sich nicht allein mit Geld lösen. „Wenn Kinder und Jugendliche über mehr als ein Jahr Trainingsstopp einlegen, dann lässt sich das nicht einfach wieder wettmachen, psychisch wie körperlich“.


Kinderärzte fordern Schulöffnung: „Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben“ (RND, 18.5.2021)
Kernaussage(n): Kinder- und Jugendärzte sprechen von einer politischen Vernachlässigung von Kindern in der Pandemie, die eine Welle psychischer Erkrankungen mit sich bringe. „Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt.“


Seelische Corona-Schäden: Kinderärzte warnen Eltern vor Abschottung (hessenschau, 10.5.2021)
Kernaussage(n): Kinderärzte sind besorgt über den Gesundheitszustand vieler Kinder und Jugendlicher in der Pandemie. Gefährlicher als Covid-19 seien für sie die seelischen Schäden. Dabei spielen besonders ängstliche Eltern eine Rolle. Kinderarzt Dr. Nolte : „Kinder sind selbst überhaupt nicht gefährdet, sondern sie bringen ihre Opfer für andere. Und der Preis, den die Kinder in der ganzen langen Zeit bezahlt haben, ist überhaupt nicht vergleichbar mit dem Preis, den wir Erwachsene zahlen.“


Sind die Kinder an allem schuld? (Münchner Ärztliche Anzeigen, 7.5.2021)
Kernaussage(n): Interview mit Prof. Dr. Göran Kauermann vom Institut für Statistik der LMU München über Infektionsketten, Übersterblichkeiten und die Sinnhaftigkeit verschiedener Kennzahlen. Zur Frage, ob Kinder „Infektionstreiber“ seien: „Wir haben in unseren Datenanalysen aber keinen Hinweis darauf gefunden, dass die Infektionen von ihnen ausgehen.“


TV-Kritik: „Hart aber fair“ : „Jeder sollte doch wissen, was er zu tun hat“ (F.A.Z., 4.5.2021)
Kernaussage(n): Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie fragt der Moderator Frank Plasberg in seiner Talkshow, ob der Staat die Kinder im Stich lasse. Ein Soziologe erklärt, dass die verlorene Zeit für Kinder besonders schwer wiege: Ein Jahr für ein Kind sei vergleichbar mit fünf bis zehn Jahren für einen Erwachsenen. Die Entgegnungen der Bundesministerin für Bildung und Forschung machen fassungslos: „Von inhaltsleeren Floskeln zu reden, würde es noch beschönigen“, so der Kommentar der F.A.Z.


Ärztin warnt wegen Schul-Lockdown: „Zwei Jahrgänge können nicht richtig lesen und schreiben“ (Bild, 23.4.2021)
Kernaussage(n): Eine Fachärztin für Allgemeinmedizin fordert die Schulöffnung sofort für alle Schüler und organisiert unter dem Motto „Thursdays for Education“ jeden Donnerstag eine Demonstration in München.


Hospitalisierung und Sterblichkeit von COVID-19 bei Kindern in Deutschland (DGPI, 21.4.2021)
Kernaussage(n): „Die weiterhin bestehende extreme Seltenheit eines schweren oder gar tödlichen Verlaufes von SARS-CoV-2 bei Kindern und Jugendlichen ist nicht geeignet, als Argument für Schul- und Kita-Schließungen benutzt zu werden. Nur die verbleibende Behauptung, dass zwischen den Infektionen bei Kindern und Jugendlichen und der Überlastung der Intensivstationen und den schweren und tödlichen Verläufen der älteren Erwachsenen ein Zusammenhang bestehe, könnte Kita- und Schulschließungen rechtfertigen. Daten, die diese These bestätigen, fehlen allerdings.“


Die Willkür eines Schwellenwertes (F.A.Z., 20.4.2021)
Kernaussage(n): „Es war ein politischer Kompromiss, dass die Schulen ab einer Inzidenz von 165 schließen sollen. Sachgründe gab es dafür offenbar nicht.“ Grenzwerte für Schulschließungen und damit der Alltag der Kinder werden wie auf einem „Basar“ verhandelt, Einschätzungen von Experten werden beharrlich ignoriert.


„Infektionsschutz zulasten der Gesundheit von Kindern muss ein Ende haben“ (WELT, 20.4.2021)
Kernaussage(n): „In einem offenen Brief wenden sich Kinder- und Jugendärzte, Virologen und Epidemiologen an Bundestag, Bundesregierung und Landesregierungen, um für mehr Freiheiten für Kinder und Jugendliche zu werben – unter anderem für einen Regelbetrieb mit Hygienekonzepten an Schulen.“


Kaum dazugelernt (Süddeutsche Zeitung, 20.4.2021)
Kernaussage(n): Laut einer Elternbefragung durch das Ifo-Institut
haben sich Schüler vor der Pandemie im Durchschnitt siebeneinhalb Stunden täglich mit Schulstoff beschäftigt, während der Schulschließungen Anfang 2021 jedoch nur knapp dreieinhalb Stunden, zudem viereinhalb (!) Stunden mit Fernsehen, Videospielen oder Social Media. Die förderbedürftigsten Schüler leiden am meisten unter den Schulschließungen.


Professor Zepp: „Wir haben kaum Kinder mit Covid-19 in der Klinik“ (SWR, 15.4.2021)
Kernaussage(n): Durch die enorme Steigerung von Tests in den letzten vier Wochen steigen die Inzidenzzahlen auch bei Kindern und Jugendlichen. Prof. Zepp: „Die Mehrzahl der Kinder wird nach wie vor nicht krank, da gibt es keine Steigerung. Wir sehen zwar auch Kinder bei denen wir eine Infektion im Test nachweisen können, aber wir haben quasi keine Kinder wegen einer Covid-19-Erkrankung in den Kliniken“.


Kinderärzte gegen Pläne für automatische Schulschließungen (F.A.Z., 12.4.2021)
Kernaussage(n): Kinderärzte, Psychologen und Virologen protestieren in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsident*innen gegen Pläne für automatische Schul- und Kitaschließungen.


Kinder und COVID-19: Kontaktpersonen-Surveillance in Frankfurter Kitas und Schulen (August bis Dezember 2020) (Monatsschrift Kinderheilkunde, April 2021)
Kernaussage(n): Es ergaben sich keine Hinweise darauf, dass Kinder die „Treiber“ der Pandemie sind. Es ergibt sich keine Notwendigkeit, ganze Gruppen, Klassen oder gar Einrichtungen zu schließen.


Kinderärzte fordern: Schulen offenhalten – „Schließungen nur letzte Option“ (RND, 7.4.2021)
Kernaussage(n): Deutsche Kinder- und Jugendärzte fordern, dass Schulen und Kindergärten möglichst offen bleiben sollen. Präsenzunterricht ist nicht nur enorm wichtig für die Bildung und Gesundheit, Kinder sind auch weniger als gedacht für Corona-Infektionen verantwortlich.


Presseinfo zum Infektionsgeschehen bei Kindern (DGKJ, 1.4.2021)
Kernaussage(n): „Die Frage, ob Kinder zum jetzigen Zeitpunkt überproportional am COVID-19-Infektionsgeschehen beitragen, kann daher mit einem klaren NEIN beantwortet werden.“


Das Ausbruchs- und Infektionsgeschehen in den Schulen (aus dem CODAG Bericht Nr. 12, 1.4.2021)
Kernaussage(n): Der Anteil der Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, die auf einen Schulausbruch zurückzuführen sind, ist in allen Altersgruppen zu jedem Zeitpunkt der Pandemie verschwindend gering. Steigende Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen wirken sich nur schwach auf die Inzidenzentwicklung in anderen Altersgruppen aus.


Aktuelle Ergebnisse der DGPI-Datensammlung von stationären COVID-19 Fällen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland (DGPI, Stand 28.3.2021)
Kernaussage(n): Dokumentation aller stationären Aufnahmen in Deutschland seit Beginn der Pandemie samt Aufschlüsselung der dokumentierten Fälle des Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS). Stand 28.3.2021: Bislang 1199 stationäre Aufnahmen, 57 Kinder mussten auf Intensivstationen behandelt werden, 0,3% aller stationär aufgenommen Kinder sind verstorben.


Wie ein Kindermediziner den Anstieg der Corona-Inzidenz erklärt (Tagesspiegel, 25.3.2021)
Kernaussage(n): Vermehrte Testungen führen zu höherer Inzidenz. Es gibt derzeit keine höhere Ansteckungsraten bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen. Prof. Berner:  „Wir als Kinderärzte haben immer wieder gesagt, dass offene Kitas und Schulen für Kinder systemrelevant sind. […] Unter den Bedingungen, die wir jetzt haben, sollten uns offene Schulen so viel wert sein, dass wir dies nicht von schwankenden Inzidenzzahlen abhängig machen.“


Kommentar der DGKH und der DGPI zu flächendeckenden Schnelltests an Schulen: Was lernen wir aus den derzeitigen österreichischen Erfahrungen? (DGPI, 14.3.2021)
Kernaussage(n): Eine Übertragung des österreichischen Testkonzeptes auf deutsche Verhältnisse müsste die Logistik und Organisation von Tests für fast 11 Millionen Schüler*innen und über 780.000 Lehrer*innen (20 Mio. Teste bei einer Testung zweimal pro Woche) bewältigen. Der gewählte Ansatz erscheint in der Risiko-, Aufwand- und Nutzenbewertung nicht geeignet und nicht verhältnismäßig für eine Übertragung in das deutsche Schul- und Gesundheitssystem.


Übergewicht und Essstörung: Was die Pandemie uns auftischt (BR, 7.3.2021)
Kernaussage(n): Nach einer repräsentativen Umfrage unter rund 1.000 Familien legten im Laufe der Pandemie gut ein Viertel aller Eltern und neun Prozent der unter 14-Jährigen an Gewicht zu. Bei den Über-Zehnjährigen aus Familien mit niedrigem Schulabschluss waren es 23 Prozent. Der zunehmende Stress in den Familien, weniger soziale Kontakte, der Wegfall von festen Tagesstrukturen und dadurch auch von festen Mahlzeiten sind Risikofaktoren, die Essstörungen begünstigen können.


Sehkraft leidet unter Homeschooling (F.A.Z., 12.2.2021)
Kernaussage(n): Forscherinnen der Universitätsklinik Münster warnen eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen von digitalem Distanzunterricht und übermäßiger Bildschirmnutzung. Viele Pausen machen, mindestens 40 Minuten im Freien verbringen – das Tageslicht ist entscheidend für die gesunde Entwicklung der Augen.


COPSY-Studie: Kinder und Jugendliche leiden psychisch weiterhin stark unter Corona-Pandemie (UKE Hamburg, 10.2.2021)
Kernaussage(n): Fast jedes dritte Kind leidet ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. Erneut sind vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwächerenVerhältnissen oder mit Migrationshintergrund betroffen. Eine aktuelle Publikation findet sich hier.


Kollateralschäden der Pandemie (Deutsches Ärzteblatt, 22.1.2021)
Kernaussage(n): Kinder, Jugendliche und Frauen leiden am stärksten unter den indirekten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Ihnen droht weltweit eine massive Verschlechterung ihrer Lebenssituation, besonders in armen Ländern. Kinder stellen mit mehr als 30 Prozent einen erheblichen Anteil der Weltbevölkerung mit speziellen Bedürfnissen an Schutz und Gesundheit.